Ein Wiki ist festgehaltene Diskussion (Teil 8 von 9)

Welche Beispiele machen deutlich, dass Collective Intelligence und Conversational Knowledge Management – wie mit Wikis – im Geschäftsumfeld relevant sind? Auf diese Frage geht Prof. Dr. Christian Wagner  in diesem Teil des Interviews ein.

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  • Die Verspätung in der Produktentwicklung ist in allen Unternehmen ein Thema. Das Projekt Boeing 787 Dreamliner lieferte ein Beispiel, dass die Collective-Intelligence-Prognose zum Projektabschluss treffender als die der Unternehmensleitung war. Professor Wagner schildert: „Wo Boeing zunächst sagte: Ja, den Zeitplan, den wir vorgegeben haben, den kriegen wir schon hin, musste die Unternehmensspitze einen Monat später angeben: Wir haben uns geirrt, wir sind zu spät dran. Und sechs Monate später mussten sie es wieder zugeben. Die Prediction Markets (öffentlicher, in USA, wo die Teilnehmer um Geld spielen) wussten es schon im September. Die angenommene Wahrscheinlichkeit, dass Boeing den Termin schaffen würde, lag nur bei 25%. Diese Tatsache über Collective Intelligence zu hören, ist beeindruckend für Leute in Unternehmen.“
  • Wagner erzählt weiter von seiner bereits einige Jahre zurückliegenden Erfahrung mit einem Unternehmen, in dem Reorganisationen im Gange waren: „Es gab kein ‚Geheimnis‘ in dem Unternehmen, was nicht in den öffentlichen Diskussionsforen besprochen wurde … wieviele Leute entlassen werden würden, wie die Umstrukturierung vorging. Im Internet gab es nie etwas zu finden.
  • Dies nun führt Wagner zu einer prominenten These des Cluetrain Manifest: „Markets are Conversations“ bzw. Märkte sind Gespräche. Er sagt: Aber eigentlich ist alles Wissen Konversation. Ich spreche oftmals auch von ‚Conversational Knowledge Management‘, Knowledge Management in der Konversation. Und Wikis sind eigentlich festgehaltene, eingefrorene Diskussion; und so sollte es auch sein, dass Wissen nicht ein Produkt ist, das im Nachhinein entsteht oder was nach Projektende von der Arbeitsgruppe dokumentiert wird. Nein: Das Wissen sollte sich selbst dokumentieren, während wir ein Projekt durchführen. Dann ist das auf einmal da. Denn nur dann kann das Unternehmen es schaffen, mit dem Wissen mitzuhalten.

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